B E R I C H T
     
                 
                 
 

Nehmen Sie sich einen Moment Zeit und lesen sie ein interessantes Feedback von Iain Duncan über meine Lern-DVDs für den schottischen Dudelsack:

 

Lehrmaterial für ein so spezielles Instrument braucht einen speziellen Rezensenten. Wir freuen uns sehr, dass wir als Gastautor Iain Duncan gewinnen konnten, der als Schotte seit Jahren in der Schweiz lebt. Da er auf Englisch geschrieben hat, können wir seine Rezension außerdem zweisprachig anbieten. Mehr über Iain findet ihr unter seinem Text. Im folgenden meine Übersetzung.

Als ich erstmals gebeten wurde, die Lern-DVDs für die Great Highland Bagpipe von Andreas Hambsch zu rezensieren, war meine erste Reaktion: „Warum wird sogar ein DVD – Lehrgang auf Deutsch produziert?“ Dann überlegte ich ein bisschen, schaute mich im Web um und begriff, wie groß und wichtig der deutsche Markt für schottische Musik tatsächlich ist. Wenn ich mir die tourenden schottischen Folkrockbands anschaue, haben sie alle eine Menge Termine in Deutschland auf ihren Tourneen; suche gründlicher und du findest eine ganze Bewegung an Highland Games; suche noch intensiver  und plötzlich stellst du fest, dass die allerneueste und beste Technologie an elektronischen Dudelsäcken aus: Deutschland kommt, woher sonst?
Was waren also meine Erwartungen und Gefühle, während ich auf die Ankunft des Päckchens wartete? Würde ich einen objektiven Blick dafür bewahren können, was es einem alten Dudelsack-Hund wie mir über das Spielen vermitteln könnte? Könnte ich die Rezension sogar bewerkstelligen, ohne mehr als ein geringes Verständnis von der deutschen Sprache zu haben? Würde ich die Disks nur überfliegen und schreiben, dies sei alles sehr nett, aber es gäbe schon jede Menge Lehrmaterial, ohne dass es auch noch eine deutsche Fassung bräuchte?
Nun um ehrlich zu sein – anschließend war ich stark beeindruckt…

Die grüne Version der Lern-DVDs kam in einer einzelnen Hülle an, die drei einzelne Disks enthielt. Laut Beschreibung seien sie für alle Spieler von Anfängern bis zu fortgeschrittenen Spielern konzipiert. Wenn ihr auf Andys Webseite nachschaut, gibt es dort auch eine rote Version. Diese scheint sich mehr auf Spielübungen zu konzentrieren, während die grüne Fassung alle „Verzierungen“ durchnimmt, deren Erlernen so entscheidend ist, wenn man ein Spieler mit akzeptablem Niveau werden will.
Das Coverbild lässt kein Missverständnis darüber zu, was das Produkt wirklich bietet. Das Design ist sauber mit einem einfachen grün-gelben Hintergrund mit dem Bild eines Dudelsacks vorn und einigen Screenshots auf der Rückseite, die die Lektionen repräsentieren, dazu die Sponsorenschaft von Kilts & More, die wie ich vermute die Produktion unterstützten und den Einzelverkauf vorrangig betreiben, obwohl die DVDs auch direkt über Andys Webseite erhältlich sind.


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Andys Referenzen als Piper sind innen in einem Flyer beigefügt und geben eine beeindruckende Lektüre ab. Er wurde am College of Piping in Glasgow unter Dozent Joe Wilson und später bei Willie McCallum ausgebildet. Andy qualifizierte sich 2007 als Lehrer und kehrte zurück, um 2010 den „Schwarzen Gürtel“ des Dudelsackspiels zu erwerben, das Diplom auf der höchsten Stufe. 2010 eröffnete Andy seine Dudelsack-Akademie in Deutschland und unterrichtet jetzt Schüler aus ganz Europa. Durch seinen Ausbildungs -Hintergrund von so unglaublich hohem Standard stiegen meine Erwartungen an die DVDs sehr stark.
Ich wurde nicht enttäuscht. Die DVDs wurden mit Sorgfalt und Geduld zusammengestellt; der Stil ist klar und einfach. Es ist so als hätte eine Unterrichtsstunde eins zu eins mit dem Lehrer selbst. Der Klang ist natürlich, mit etwas Raum-Hall, vielleicht von einem höherwertigen externen Mikrofon als nur dem von der Kamera. Die Lautstärke kann hoch genug für ein Playback vom PC aufgedreht werden. Der Klang der Spielpfeife (Chanter) ist voll und melodisch mit einer warmen Tonqualität, passte also zu meinem eigenen langen Übungspfeife mit genug Unterscheidung, um beide hören zu können, während ich bei den Übungen mitspielte.

Die Verzierungen werden in einzelnen Kapiteln dargestellt, so kann man gezielt zu einer bestimmten musikalischen Figur springen, die man üben will, nachdem man das Kapitel im Inhaltsverzeichnis gefunden hat. Oder man schiebt jede DVD ein und geht die Lektionen eine nach der anderen durch. Was wirklich hilft, sind die Grafiken, die neben dem Bild von Andy auf dem Bildschirm erscheinen. Zunächst kommt ein Griff-Diagramm, das im Tempo der Musik abläuft  und die Fingerpositionen an jedem Punkt der Übung darstellen. Daneben gibt es ein kleines Muster der Figur in Notenschrift mit einer beweglichen roten Linie, die den genauen Punkt in den Noten zeigt und mit Bild und Ton von Andys Spiel synchronisiert ist.

Jede Übung läuft praktisch in zwei Teilen ab: zunächst eine mündliche Beschreibung der Übung mit Fokus auf dem Grundton, der Reihenfolge der Vorschlagnoten (grace notes) und der Schlussnote, fortgesetzt in einem demonstrierenden langsamen Durchspielen. In jedem zweiten Teil wird die Übung durch Spielen wiederholt, langsam anfangend bis zum vollen Tempo der musikalischen Figur. Die Grafik der Noten und das Griffbild sind nur im ersten Teil der Übung sichtbar; bei vollem Tempo sind sie unnütz, weil sich der Lernende auf die Reihenfolge der Vorschlagnoten konzentriert und nur zurück zum ersten Teil der Übung geht, wenn etwas nicht klappt oder sich nicht dem Gedächtnis oder Reflex eingeprägt hat.
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 Ich fand diese Methode besonders hilfreich. Ich wurde informell von ex-Armee-Dudelsackspielern unterrichtet und lernte die Wichtigkeit der Vorschlagnoten, aber die DVD lehrte mich mehr musikalische Phrasen als die, von denen ich wusste, dass sie existierten. An dieser Stelle wird sie ein wirklich starkes Werkzeug für uns ältere Pipes-Spieler; eine Aufzeichnung sämtlicher musikalischer Phrasen und „interaktive“ Noten zu besitzen, ermöglicht eine eine komplette Überarbeitung und eine Menge Säuberungs-Übungen für die faulen und schlechten Angewohnheiten, die sich in mein Spiel geschlichen haben und jahrelang unentdeckt geblieben sind. Überrascht stellte ich fest, wie bequem meine eigene Griffweise mit den Jahren geworden war, entdeckte aber auch vertraute Figuren aus Jigs und Reels, die in den Lektionen herausgestellt und dokumentiert werden. Durch das Ausführen der Übungen  wurden auf einmal  die Jigs und Reels schärfer und besser gespielt als vorher… Die Tsunami – Tonleiterübung ist allerdings eine Sache für sich!

Die meisten Anfänger und eine Menge fortgeschrittener Dudelsackspieler werden am Ende von Disk 2 aufhören. Für uns ist Piobaireachd eine dunkle Kunst, die alleine ausgeübt werden muss, vielleicht nur um den Teufel auf Tee und Früchtekuchen heraufzubeschwören. Wie dem auch sei, die offiziellen Figuren des Piobaireachd sind wirklich gute Fingerübungen und sollten nicht leichtfertig abgetan werden. Tatsächlich, während ich mich darüber lustig mache – Piobaireachd ist die „klassische Musik“ der Great Highland Bagpipe und wird als solche nur von der Elite der Meisterspieler ausgeübt, die sich überall auf der Welt in Wettbewerben miteinander messen. Wenn es das ist, „was deinen Sack füllt“, wie man sagt, dann besitzt Disk 3 alles, was du brauchst, außer der Geschicklichkeit und dem Talent, mit denen man geboren sein muss, um nach zwanzig langen Jahren harter Arbeit und Übung ein Großmeister zu werden!
Aber legt Disk 3 nicht komplett zur Seite: schaut nach dem Bonusmaterial über Erhaltung und Pflege des Dudelsacks. Hier sind einige wirklich gute Tipps speziell zu den Rohrblättern (Reeds), wie man ezy-drone – Reeds anpasst und Spielpfeifenreeds auf ein bequemes und klangvolles Maß zurückschneidet. Säubern, Ölen und Pflegen werden auch besprochen. Obwohl Andy nicht in das schwerere „Bauen“ des Dudelsacks einsteigt, mit Schneiden eines Ledersacks und Einbinden der Röhren oder die leichtere Arbeit, eine moderne Reißverschlusstasche aus Goretex anzupassen. Vielleicht ist das ein Hinweis für Bonusmaterial von einer zukünftigen DVD…

Was machst du, wenn du kein Deutsch sprichst, denn diese DVD hat sich effektiv ihre Nische in einer Handvoll deutschsprachiger Länder geschaffen und damit effektiv das breitere Publikum ausgeschlossen, die sie zu haben verdient? Nun, außer wenn man das Bonusmaterial auf Disk 3 im Detail verstehen muss, ist Andys Sprache für jede Übung so klar und geradeaus, dass ein nicht Deutsch Sprechender sich nicht abschrecken lassen sollte – es ist einfach genug nachzuvollziehen. Hör dir die Beschreibung jeder Figur an und du erkennst leicht „G grace note, D grace note, E grace note” etc., ohne dass man überhaupt Deutsch sprechen muss. Mit dem Fokussieren auf Andys Griffweise, den Ton und die interaktiven Darstellungen auf dem Bildschirm ist dies ein Lehrwerk, das jede Sprachbarriere überschreitet und von jeder und jedem zu gebrauchen ist, unabhängig von ihrer Muttersprache.
Die Messlatte für den Erfolg dieser DVD-Serie ist also die Frage, wie gut die Leistung als Lehrmittel für Anfänger und als Wiederholungs- und funktionales Übungsbuch für die älteren Dudelsack-Hunde ist.
Ich kann die Antwort darauf mit einer Frage beginnen: Wie oft hört ihr Sporttrainer in Interviews nach einem gewonnenen Wettbewerb sagen, sie hätten gewonnen, indem sie zurück zum einfachen Spiel gegangen sind und die Grundlagen richtig gemacht haben? Dieser DVD-Set erreicht genau das gleiche Ziel. Dies ist nicht die „beste jemals dagewesene, neu entdeckte Diät“. Es ist das dudelsacktechnische Äquivalent zur simplen Botschaft „Iss weniger Kalorien und beweg dich mehr!“

Dieser DVD-Set liefert eine klare und umfassende Studie der sehr komplexen Kunst des Dudelsackspielens mit einer Einfachheit, der jeder Spieler auf jedem Leistungsstand folgen und die er als Lern- und Übungswerkzeug nutzen kann, das zu persönlicher Verbesserung führt. Meiner Meinung nach erzielt das Werk 10 von 10 Punkten bei allen gesetzten Zielen.

Und was mich betrifft? Nun, ich hoffe, niemand will das Rezensionsexemplar wiederhaben, denn ich rücke es nicht raus..!

 
                 
                 
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